Ein Kind mit Behinderung, was wurde anders? Ausgrenzung?!

einKind mit Behinderung

In den Teilen 1 ( HIER ) und 2 ( HIER ) ging es um das Annehmen und um Freunde. Mit Teil 3 greife ich das Thema Ausgrenzung auf und möchte da sowohl an die Freunde anknüpfen, aber auch die Ausgrenzungen ansprechen die das Kind mitmacht, und die wir als Eltern leider oft aushalten müssen.

Dieser Teil hätte auch separat stehen können, ganz passt er nicht in die Reihe und dann wieder doch, denn LEIDER (!) ist Ausgrenzung etwas was unvermeidbar zu den Dingen gehört über die man sich völlig neu auseinander setzen muss, wenn man ein Kind mit Behinderung hat. Und das ist extrem traurig!

Kommen wir erstmal zu den Ausgrenzungen die wir von unseren Freunden erfahren.

Ein Kind mit Behinderung, das bedeutet (je nach Art der Behinderung) evtl. auch ein Stück das wir uns zukünftig selber ausgrenzen. Ich glaube so denken zumindest manche unserer Freunde.

Sie laden uns vielleicht ein oder zweimal ein. Sei es zum Geburtstag oder zum Geburtstag derer Kinder … oder oder.

Eine Einladung (so ist es in meinem Fall zumindest) bedeutet zwei Gefühle: ganz vorrangig Freude über eben diese. Und zeitgleich Angst und Traurigkeit, weil ich erst an diesem Tag selber weiß, ob ich mit meinem Kind tatsächlich hingehen kann.

Leider ist meine Erfahrung diesbezüglich so, dass das Verständnis oder ich mag lieber sagen, das Begreifen dieser Situation nur sehr wenigen gelingt. Was im Übrigen kein Vorwurf ist. (Ich glaube, wenn ich vor dem Feechen zig mal ne Freundin eingeladen hätte, die dann doch irgendwie immer wieder abgesagt hätte…ich hätte irgendwann auch aufgegeben.)

Aber wie soll auch jemande außerhalb dieser Materie begreifen, dass es Tage gibt an denen wir nicht riskieren können das eine Reizüberflutung einen langen Schwanz mit sich zieht. Das wir unserem Kind bereits am Morgen anmerken das es einen Kreis vieler Menschen leider nicht aushalten wird. Das eben diese Situation auch morgen ganz anders aussehen kann…

Und vor allem glaubt mir, in unserer Situation ist es auch nicht so, dass das Feechen einfach den Ton angibt oder gar bestimmt (denken manche, ja) … Auch sie ist sehr traurig, wenn es ihr an manchen Tagen nicht gelingt. (Und hier haben wir noch den Vorteil das sie es mittlerweile zum größten Teil selber benennen kann. Das ist bei anderen nicht so und führt eben dazu, dass generell alle Einladungen abgesagt werden müssen. In dieser Situation waren wir auch lange)

Und es gibt auch Tage, an denen fühle ICH mich einfach nicht mehr in der Lage. Meist wenn einige harte Tage vorangegangen sind. Auch dies hat nichts damit zu tuen das ich keinen Kontakt mehr möchte, mein Akku ist dann leider einfach leer.

Bitte, wenn ihr Freunde habt die ein Kind mit Behinderung haben. Ladet sie immer wieder ein. Es ist keine Unlust. Ganz im Gegenteil. Ihr Leben läuft leider anders, aber deswegen sehnen sie sich nicht weniger nach Geselligkeit. Sie freuen sich gewiss über jede Einladung und werden auch jeder folgen, die ihnen möglich ist. Ich glaube da unterscheiden wir uns wenig.

Und ein Memo an “uns” selber: lasst uns einfach geradeaus sagen was Sache ist!

Ich denke mehr kann ich dazu auch nicht schreiben. Denn wie ich oben schon beschrieb, es ist nicht so als wenn ich nicht nachvollziehen könnte, warum dieser Einladungsstopp immer und immer wieder plötzlich einfach da ist.

 

Weiter komme ich auf die Ausgrenzungen die meine Tochter selber erfährt. Leider.

Also eine völlig andere Seite, aber immerzu da.

Zu dieser Spate der Ausgrenzung zu schreiben ist für mich emotional. Es ist einfach in meiner Natur, dass die Erfahrungen meiner Kinder sehr nah an mich herankommen. Ist beim großen Sohn nicht anders. Nicht heute, nicht damals.

Doch wird meine Tochter in ihrem Leben wahrscheinlich leider wesentlich häufiger in die Situation kommen Ausgrenzungen auszuhalten zu müssen.

Ich gehe dafür ein großes Stück zurück. Ich weiß nicht genau wie alt sie damals war. Auf jeden Fall saß sie noch im Buggy. Ich gehe an die Stelle zurück um aufzeigen zu können das diese Zwischenfälle schon sehr lange bestehen.

Wir waren im Phantasialand. Damals war es generell noch sehr schwierig sie mit gleichaltrigen Kindern zusammen zu bringen. Nur ganz ganz selten gelang es, das sie harmonisch in sich war wenn Kinder sie kontaktierten oder das sie gar selber ein Kind kontaktierte.

Wir pausierten damals an einer Snack-Stelle. Sie war offen (die Offenheit in Freizeitparks besteht übrigens noch heute… sie liebt sie und kann in diesen auch völlig ignorieren wie viele Menschen dort sind… zumindest für diesen Tag – wirkt nach, ihr kennt das 😉 ) Es waren natürlich viele Familien dort. Sie ging auf ein Kind zu… erst war auch alles gut… der Junge müsste etwas älter als sie selber gewesen sein. Als sie zu wedeln anfing, erschallte er in großes Lachen und wendete sich ab.

Augenscheinlich hat es dem Feechen nicht besonders viel ausgemacht (mir schon) … Erst zurückblickend konnte ich dann sehen das sie sehr lange braucht, um überhaupt nochmal auf ein Kind zuzugehen.

Im Übrigen waren die Eltern damals natürlich anwesend. Sichtlich peinlich berührt. Doch sie sagten nichts.

Nun zu einer Situation die in der letzen Woche passierte:

Das Feechen und ich waren auf der abendlichen Hunderunde. Es war wundervolles Wetter und wir streckten unsere Füße zur Abkühlung in den Bungtbach.

Vor uns war bereits eine Familie dort. Die Eltern und drei Mädchen. Zwillinge, ich schätze sie im Alter vom Feechen und eine Schwester, wahrscheinlich leicht älter.

Als unsere Hündin vorbeilief, erklärte das Feechen das sie lieb ist und sie keine Angst haben müssten (bekommt sie bei uns ja immer mit, wenn wir es erklären)… Gleich nach ihrem ersten Satz beginnen die Mädchen untereinander zu tuscheln. Und zu lachen.

Die Eltern bekamen auch hier alles mit, doch sie sagten nichts.

Erst war auch hier mir der Augenschein, dass es dem Feechen nicht besonders  viel ausmachte. Sie lies sich gewohnt nichts anmerken. Doch war sie es, die weiter gehen wollte und sich dann sehr darüber aufregte, dass eines dieser Kinder keine geeigneten Wassersandalen trug.

Natürlich machte es ihr etwas aus. Und mir auch. Ich war ehrlich gesagt sehr wütend. Doch was sollten Eltern an dieser Stelle tun? Das Thematisieren und damit dem eigenen Kind diese Situation noch näher bringen?

Ich habe danach sehr lange darüber nachgedacht, ob die Reaktion der Eltern annehmbar ist, nichts zu sagen. Und ich bleibe bei einem absolutem nein.

Denn – lassen wir mal außen vor dass das Feechen durch ihre Behinderung (hier jetzt sprachlich) gehänselt wurde. Ich kann doch nicht als Elternteil daneben stehen wenn meine Kinder ein anderes mobben. Grausam.

Leider könnte ich diesen Teil von Ausgrenzung unendlich fortsetzen…. und leider habe ich an dieser Stelle keinen Tipp.

Aber genau wegen dieser Dinge schreibe ich diesen Part meines Blogs.

Wenn euch als Eltern die Behinderung anderer Kinder tatsächlich lähmt….wenn ihr nicht wisst, was ihr tuen sollt, wie ihr die Situation erklären sollt: Seid einfach ehrlich. Behinderung ist keine Schande und nichts Schlimmes. Vor allem ist Behinderung nichts wofür sich unsere Kinder schämen müssen.  Erklärt euren Kindern das Menschen auch auf diese Art verschieden sind. Und nehmt da auch kein Blatt vor dem Mund, denn nichts hilft Eltern mit einem Kind mit Behinderung – und auch dem Kind selber – mehr als einfache direkte Fragen, wenn etwas unklar ist. Und nichts würde alles so viel einfacher machen wenn es bereits für Kinder normal ist verschieden zu sein.

Wir beißen nicht. Und die Frage “warum” ist für uns ein Segen. Wogegen peinliches Schweigen und nichts sagen eine starker Schlag ins Gesicht sind.

 

Ich hoffe das gerade diese letzten Sätze viele viele Menschen erreichen. Denn nichts ist schlimmer als selber machtlos daneben zu stehen, wenn das eigene Kind gemobbt wird – aus reiner fehlenden und natürlichen Aufklärung.

Wie sind eure Erfahrungen zu diesem Thema, zu diesen beiden Situationen?

 

liebst

die Sabrina

 

 

Ein Kind mit Behinderung, was wurde anders? – Freunde

Letzte Woche habe ich im ersten Teil zu “Ein Kind mit Behinderung, was ist nun anders?” über das Thema Annehmen geschrieben. Lesen könnt ihr diesen Post HIER  .

Heute möchte ich als Teil 2  gerne über Freundschaften schreiben. Denn ich glaube selten waren Freundschaft so wichtig für mich, und gleichzeitig wurde ich sicher nicht zur zuverlässigsten Freundin der Welt.

Freunde

 

Freundschaften und ihr Lauf des Lebens…

Das Freundschaften sich mit den Jahren immer mal ändern ist denke ich bei jedem so. Zumindest manche. Dies hat wenig damit zu tun ob man nun keine Kinder hat oder eben ein Kind mit Behinderung.

Man verläuft sich teilweise, man ändert sich. Die Leben werden verschieden. Und ehe man sich versieht ist die bisher dickste Freundin irgendwie nur noch eine Bekannte.

Da müssen nicht einmal große Faktoren hinein spielen, oder gar eine Unstimmigkeit. Sowas passiert eben. Und das mehrmals im Leben. Mit manchen dieser Menschen vereint einen irgendwann wieder etwas…manche verliert man immer mehr aus den Augen bis sie ganz aus dem Leben verschwinden.

Bei manchen ist es einem egal, bei manchen schmerzt es. Auch nach vielen Jahren vielleicht noch.

 

Am aller gravierendsten war empfand ich diese Phase bei mir nach der Zeit als ich wusste das Feechen halt irgendwie anders ist. Viele Freundschaften sind danach völlig verloren gegangen. Einige wurden aber wiederum auch fester.

Nun muss ich zugeben, dass ich generell in einer Freundschaft meist nicht der Part bin, der sich ganz pfleglich regelmäßig meldet. Das war früher schon nicht so. Und natürlich wurde dies nicht besser mit  vielen neuen Aufgaben und all diesen Terminen, die in mein Leben traten. Daher denke ich, dass diese Tatsache einen Teil der Veränderung zuzuschreiben ist. Und es tut mir auch wirklich leid, dass ich dadurch vielleicht manchmal nicht so ne ganz gute Freundin bin und schätze umso mehr all die Herzmenschlein, denen es nichts ausmacht das sie mich immer mal wieder anstupsen müssen.

Aber auch der Umgang mit mir, mit uns. Das schien nicht für alle leicht zu sein. Das habe ich oft an Reaktionen bemerkt und mir ehrlich gesagt sehr gewünscht das man mit Fragen einfach auf mich zugekommen wäre. Dass man hätte ganz offen mit Unsicherheiten sein können. Denn hey ja, ich war ab da zweifache Mama. Und eben Mama eines Kindes mit Behinderung. Wir waren Freunde. Und eigentlich denke ich das Freunde ruhig offen miteinander sein können. Aber irgendwie scheint dies eben noch ein Thema, welches viel mehr offenen Umgang benötigt.

Waren da aber nur die anderen schuld?

Oft habe ich mich gefragt, ob es mein Recht ist über diese Art von Rückzug sauer zu sein. Konnte ich wirklich verlangen, dass sich die Menschen um mich mit dem Thema auseinandersetzten wenn sie es nicht unbedingt mussten? Ich denke ja. Denn sie waren meine Freunde und ich war noch genau dieselbe Person – oder?!…. Ängste zählen da für mich irgendwie nicht, aber eben auch, weil ich selber schon vorher auch kein Mensch war den Behinderungen ängstigten. Warum auch?

Es hat mich damals zumindest sehr traurig gemacht das neben all den anderen Veränderungen auch in diesem Lebensbereich so viel anders wurde.

Gleichzeitig weiß ich heute aber auch nicht, ob es nicht auch einfach ganz normaler Lauf war. Auch denke ich, das eben bei mir doch eine Veränderung war… und auch gab es gewiss jene Leute dich ich selber auf Abstand schob. In Erinnerung sind mir da Menschen die es einfach immer wieder schafften etwas Nettes sagen zu wollen, was aber am Ende irgendwie ein kleines Fettnäpfchen war und jedes Gespräch skurril werden ließ. Oder auch eben jene, die mich stets nur noch vorsichtig ansprachen als wenn mein Leben von nun an nicht mehr lebenswert sein könnte.

Ich mein, mein komplettes Leben wurde irgendwie anders. Da war diese Veränderung doch auch völlig völlig normal.

Rückblickend…

Aber seither ist viel Zeit rum, auch heute verschieben sich Freundschaften noch immer. Und wenn man zurückblickt sind viele Läufe genauso gut gewesen wie sie waren. Denn durchaus befinden sich eine Menge Leute noch in meinem Leben – die einen intensiv, die anderen vielleicht weniger – die mir nah geblieben sind.

Freunde, die man vielleicht ganz lange nicht sieht und mit denen alles immer und immer wieder so ist, als wenn man sich täglich sehe. Gleiche Wellenlänge und so, die hat nämlich nix mit ner Lebenssituation zu tun.

Umarmung und Behinderung

Wärmende Menschen die auch aus der Ferne eine Umarmung schaffen.

 

Wo ist da die Änderung fragt ihr euch vielleicht…

Meine Erfahrung mit neuen freundschaften seit Mama eines Kindes mit behinderung ist eben eine ganz wundervolle:

Denn neue Freundschaften gibt es eine ganz Menge. Eine Menge intensive. Und eine Menge Freundschaften die jede Welle aushalten.

Tatsächlich habe ich nämlich die Erfahrung gemacht das wir Mütter (und Väter) von speziellen Kindern uns irgendwie anziehen. Ernsthaft. Ich würde behaupten das 90 % der Menschen, die ich neu kennen lerne – egal ob im realen Leben oder auch im Internet, sich als Eltern von Kindern mit Behinderung raus stellen. Auch Begegnungen die völlig außerhalb von Gruppen und Orten stattfinden die mit unserer Situation zu tun haben.

Mich fasziniert das.

Ich denke es liegt an Gemeinsamkeiten (die bei uns weniger gefächert sind) und Sichtweisen (die unsere Kinder uns lehren).

Was ich als ganz besonders empfinde bei diesen Freundschaften: Verständnis. Ich habe noch niemals von einem dieser Personen gehört “du meldest dich ja auch nie” … ich habe noch niemals erlebt das diese Freunde sich nicht mehr bei mir melden. Sie sind eben in derselben Situation….und haben ins absolute Verständnis.

Umgekehrt genauso. So habe ich aktuell zum Beispiel eine Situation (die ich im übrigen jetzt gleich sofort nach diesem Post ändern werde) : Eine Mama die ich vor drei Jahren bei einem stationären Klinikaufenthalt kennenlernte. Letztes Jahr im Sommer haben wir uns das letzte mal gesehen. Seither hat sie mir drei Nachrichten geschickt. Ich habe bisher nicht geantwortet. Ätzend denkt ihr oder? Ist es irgendwie auch. Aber wir stecken gerade beide in intensiveren Phasen. Mir selber fehlt dann manchmal die Kraft mich zeitgleich noch mit einer weiteren Situation zu befassen (die eine Gemeinsamkeit ist).

Und wisst ihr was? Da ist Verständnis. Sie würde mir in regelmäßigen Abständen weiter schreiben. Einfach kurz antippen. Und umgekehrt würde ich das tatsächlich auch. Wahrscheinlich wären meine Lücken länger….aber weil ich eben so bin. Natürlich könnte ich ihr auch längst einfach was ganz knappes zurück schreiben, aber das möchte ich nicht. Denn dies ist eine Freundschaft die aktuell noch sehr viel emotional intensiven Austausch benötigt, mehr als Regelmäßigkeit. Das mag nicht jeder verstehen können, aber das ist auch ok.

 

Meine Botschaft aus diesem Gedankengeschreibsel ist…

… bezieht Änderungen nicht immer völlig auf die neue Situation (so wie ich es irgendwie getan habe und vielleicht ein wenig Herzschmerz hatte, wo er nicht nötig war). Freundschaften zu der neuen Situation zu sortieren ist sogar vielleicht bereinigend und auch völlig in Ordnung.

Vor allem aber: Seid offen für auch neue Freundschaften. Austausch und Miteinander mit Menschen in der gleichen Situation sind unglaublich stärkend und wertvoll.

Wenn ihr situationsbedingt oder auch aus eigener Kraft Phasen habt, in denen ihr im realen Leben kaum Raum findet neue Leute kennenzulernen, dann nutzt Plattformen wie Facebook-Gruppen und Foren. Denn auch da habe ich bereits viele viele Freunde kennengelernt.

Ihr Menschen da draußen mit einem gewöhnlichem Leben: Seid verständnisvoll.

Freunde waren wichtig. Freunde sind wichtig. Freunde werden immer wichtig sein.

Für jeden Menschen!

Und aus unseren Freundschaften profitieren ganz gewiss auch unsere Kinder.

 

Wie empfindet ihr die Änderung von Freundschaften? Gerne auch Eltern von nicht behinderten Kindern, denn eine Änderung tritt ja auch generell schon ein, wenn man eben Eltern wird. Über eure Erfahrungen würde ich mich freuen!

 

liebst

die Sabrina

 

 

Alleinerziehend, und ich schäme mich nicht!

 

Mein heutiges Posting hat mich zugegeben etwas gefordert im Bezug des auf den Punkt bringen. Alleinerziehend ist ein Thema zu dem es sehr viel zu Berichten lohnt und gibt. Negatives und Positives. Ein Thema was sehr viele Betrifft und eine Lebenssituation in die man sich manchmal noch einfinden muss.

Und da ich dieses Status seit nunmehr 13 Jahren trage bin ich da natürlich auch wahrscheinlich mit einem Großteil der Themen in Kontakt gewesen. Dementsprechend hat mein Notizblock über zukünftige Blog-Themen sehr viele Seiten gefüllt mit eben diesem Oberthema. Ich habe mich nun hingesetzt und all diese Themen nochmal unterteilt weil jedes für sich doch sehr umfangreich werden kann. Also dazu wird es sicher viel zu lesen geben.

Habt etwas Nachsicht wenn die ersten Posts noch nicht so flüssig sind, in diese Art zu schreiben muss ich noch ein ganz wenig hinein wachsen und manchmal ist in meinem Kopf so viel zu jedem Punkt… Und manches ist mir eben selber weiter völlig unklar. Daher schreibe ich heute wahrscheinlich keine Meinungslinie.

 

Alleinerziehend, zum schämen?

 

Heute möchte ich mich also dem Thema -Alleinerziehende- zuwenden. Und dem wie ich mich doch irgendwie leider manchmal stigmatisiert fühle. Ich möchte ein paar wenige Punkte besprechen die mir am stärksten auffallen. Und ich möchte einfach dass sich keiner für diesen Status schämt, dafür gibt es nämlich keinen Grund. Überhaupt keinen! Mein absoluter Vorabruf ist:

Dafür gibt es sich nichts zu schämen!

Alleinerziehend, ich schäme mich nicht!

 

Ist es ja doch etwas was heute nicht mehr allzu selten vorkommt (aber auch leider ein Status der so nicht einmal allzu lange existiert -wir reden hier von einer Spanne die nicht einmal ein halbes Jahrhundert her ist…. es war regelrecht grausam, und das für sich ist echt schon ein völliges unverständliches Dingen -und wahrscheinlich  der Grund warum das noch viel in den Köpfen ist….in den Köpfen, in den Gesetzen, usw. ) , nun und dennoch hat es nach meinem Empfinden eine Negativigkeit die in unserer Zeit schon dreimal unverständlich ist. Und die begegnet einem unweigerlich in vielen Lebensbereichen immer wieder.

 

Alleinerziehend zu sein scheint irgendwie im Kopf gleich aufploppen zu lassen: Das Leben dieser Person ist out of Control.

 

Fangen wir an bei dem häufig gleich mitleidigem Blick wenn man erwähnt dass man seine Kinder alleine erzieht. “Wirklich? Puh du hast es aber nicht leicht. “ ist tatsächlich genau der Satz der SEHR häufig darauf kommt. Und es ist zumindest mir manchmal echt unangenehm dies überhaupt zu erwähnen.  Aber warum? Ich meine ich habe da im Gespräch nicht mein Leid geklagt. In der Regel stehen in diesen Situationen Menschen vor mir die uns -und damit unsere Situation- ja gar nicht kennen. Und ich meine damit rein die Aussage im Bezug auf das Wort -Alleinerziehend-.

Ich möchte damit nicht sagen dass diese Aussage in der Sicht falsch ist dass als alleinerziehendes Elternteil einiges an Aufgaben an einem haften die sich sonst zwei Menschen teilen. (Und sicher auch viele andere Eckpunkte die hier irgendwann mal Thema sein werden weil sie eben die Steine der Alleinerziehenden sind). Aber ganz im Prinzip sehe ich es schon so dass eben nicht gleich alles dramatisch schlimm ist nur weil man mehr Aufgaben in diesem Bereich übernimmt und die alleinige Verantwortung trägt. Ich meine dies jetzt im Bezug auf so so viele andere Lebenssituationen die ebenfalls Zusatzleistung erfordern. Ich glaube wenn wir das an dieser Sache messen dann haben es aber echt ne Menge Menschen auf der Welt nicht leicht… oder?!

Und dann gibt es ja sicher auch sehr große Unterschiede. Denn ja, ich kenne einige Alleinerziehende die wirklich völlig auf sich alleine gestellt sind. Und solche Situationen sind hart. Und ich ziehe vor jenen absolut meinen Hut. (An der Stelle mag ich aber auch erwähnen das davon nicht alle gleich unglücklich und überfordert wirken) …

Da habe ich schon irgendwie das große Glück ein kleines Netzwerk um mich herum zu haben. Der Papa vom Feechen nimmt sie regelmäßig alle 2 Wochen und auch seine Eltern sind immer da wenn Not am Mann sind. Genauso wie meine Mama, die auch einspringt und mir auch in Begleitung von nicht angenehmen Dingen eine große Hilfe ist. Und auch viele viele tolle Freunde habe ich um mich und meine Schwester. Der Papa vom Großen nimmt sein zweiwöchiges “Recht” auch seit einiger Zeit wieder regelmäßig an, dies war leider in langer Unterbrechung nicht immer so, daher gab es “meine freien Wochenenden” auch eine ganze Zeit nicht ganz so in der Form wie sie jetzt wieder die Regel sind. (Und ich kenne es auch leicht anders)… Und ich glaube genau hier habe ich auch manchmal sogar einen kleinen Vorteil. Jedes zweite Wochenende habe ich Ich-Zeit. Sehr viel wert.

Ich kenne ganz ehrlich wenige Familien wo das ein Elternteil hat! Regelmäßig.  Aber wie gesagt all das wissen die Menschen die oben genannte Aussage treffen ja nun nicht in dem Moment in der sie sie tätigen… Beleuchte ich dies Aussage also von der Seite könnte ich es durchaus schwerer haben.

Oder, Moment mal….. vielleicht ist es auch gar kein “Mitleid” (was wie erwähnt auch irgendwie völlig unangebracht ist.) Manchmal ist es sicher auch ein Urteil was in diesen Köpfen statt findet. Alleinerziehend quasi als Eingeständnis der eigenen Unfähigkeiten und nun mit dieser Schuld leben zu müssen… ähm ja und den Vorurteilen. Was meint ihr was ich da vielleicht noch deckele wenn ich dann noch durchblicken lasse wie lange ich dies schon bin. Das Eingeständnis sogar darin zu versagen meinen Kindern überhaupt irgendwann wieder eine normale Familie zu geben. Hm, vielleicht denken diese Leute so. Ich kann aber ganz tief aus mir heraus sagen dass ich diesbezüglich sehr hart im nehmen geworden bin. Als Antwort gebe ich tatsächlich ein einfaches und knappes: “Nein.” Meistens.

Leider sind es aber nicht die einzigen Alltagssituationen. Gleiches passiert häufig auch bei Ärzten und Ämtern. Bei der Sammlung an Diagnostiken die ich mit dem Feechen schon durchlaufen habe zeigt sich da auch ein absolutes Muster. Ab dem Punkt “Alleinerziehend” werden sehr eifrig Notizen gemacht und dann sehr genau hinterfragt. Alla – Ganz klar woher dann die Sonderheiten kommen? Dem Kind fehlt doch was oder wie?

Natürlich sind Mama und Papa wichtig für Kinder. Und natürlich ist es auch gut wenn die Beziehung da “normale” (also das was für andere normal ist, weil das ist ja scheinbar das einzige normale)  Laufbahnen nimmt. Aber fehlt einem Kind tatsächlich etwas an Fürsorge, Entfaltung und Liebe wenn es  nur ein Elternteil übernimmt. Landet man rein deswegen wegen Auffälligkeiten in einer erforderlichen Diagnostik? ICH bin ganz klar für nein. Das ist nämlich die Krönung des Bullshits in meinen Augen. Hier liest man vielleicht heraus das mich diese eh schon immer emotionalen Tage von Diagnostik sehr angreifbar machen für meine anderen Lebenspunkte, und in diesen Tagen ist auch das Fell meist etwas dünner. Und mein Hart im nehmen schafft es nicht durch, leider.

Zudem haben auch in dieser erfahrenen Situation diese Urteile nix zu suchen ohne eine Situation tatsächlich zu kennen.

Ganz ehrlich. Ich kenne sogenannte intakte Familien da kümmert sich ebenfalls nur ein Elternteil und das andere macht sein Ding. Da bestehen kaum Bezüge zu diesem Ego-Elternteil und dem Kind. Aber diese Familien sind eben Familien, daher ist da direkt klar das man jedenfalls kein Kreuzchen machen muss?

Oder wieder andersrum gibt es so viele getrennt lebende Eltern wo sich beide gleichermaßen um die Kinder kümmern, was genau fehlt dann in dieser Position? Es gibt dann eben zwei Haushalte, weil es in einem nicht funktionierte (und ich denke ein Kind zwischen ewigen Streitereien wird ne Menge mehr vermissen und die Chance da evtl. mal zu Auffälligkeiten zu kommen ist vielleicht auch vorhanden) . Oder werden diese Situationen eventuell an der Überforderung der One-People-Show bewertet?

Aber genau hier wären wir ja wieder am zuerst genannten Punkt oder?

 

Alleinerziehend – ein altes und neues asozial?

 

Ein weiterer Punkt, und ganz gewiss ein Punkt der einen Großteil der Alleinerziehenden tatsächlich betrifft: Soziale Schwäche- also finanziell schwach  (tja, als eine Person ist halt sofort erkennbar das aller aller höchstens ein einziges Gehalt vorliegt, wenn überhaupt- Hartz 4 nah – aaaah und da haben wir doch gleich das nächste Stigma ) . Ha sozial schwach , asozial also?…. woher kommt denn das?  (hmm der Kreis schließt sich) Weil eben dieses Stigmata in vielen Bereichen besteht! (Und nicht – Achtung leichte Überspitzung-  weil bei jedem alleinerziehendem Hartz 4 – Empfänger das Geld rein für Kippen und Rumtreiberei drauf geht). Die Liste die ich jetzt schreiben könnte wäre SEHR lang, daher beschränke ich mich auf ein erstmal nur drei Eckpunkte auf die Alleinerziehende im Bereich des finanziellen wahrscheinlich stoßen können (huch, vielleicht meinen das die Leute mit nicht leicht?):

  • Alleinverdiener. -Steuerklasse und so (wir sind ja keine Familie !) …. haste als Frau jetzt zum Beispiel zudem noch zusätzlich die Popo-Karte dass de eben weiblich bist, sprich weniger verdienst. Zumindest in manchen Berufen. Gehst du Vollzeit arbeiten ( um Gottes willen, hast du gedacht das ist der Weg dem Stigmata zu entkommen? WIE kannst du dein Kind so vernachlässigen wandeln sich dann die Stimmen…) , nun wagst du dies aber und hast evtl. keine Möglichkeit der familiären Betreuung, liegt die Hälfte deines Gehaltes wahrscheinlich in der Kinderbetreuung. Passiert so ja auch Nicht-Alleinerziehenden oder?
  • Halbverdiener. Die wie ich denke häufigste Schwachstelle . Mehr wie eine Teilzeitstelle ist sehr oft überhaupt nicht möglich. Mit einer Teilzeitstelle über die Runden zu kommen aber auch eher nicht. Da wären wir wieder , die kippenrauchenden Sozialschmarotzer. Weil zumindest ne Aufstockung. Wie viele da Lücken füllen mit weiterem Zuverdienen wo es irgendwie geht (wie auch in Familien mit beiden Eltern aber geringem Einkommen) , davon spricht keiner.
  • Als Alleinerziehende überhaupt eine Anstellung zu finden. Eine sehr sehr große Herausforderung. (die ich sogar ein Bruchteil nachvollziehen kann seitdem mein Sohn im 2 Kindergartenjahr eine Kinderkrankheit nach der anderen mitnahm und ich tatsächlich häufig wegen krankem Kind fehlte. Ich selber wagte mich ja nicht einmal mehr krank zu werden. Für einen Arbeitgeber ist die Situation natürlich blöd aber dennoch sollten sich diese mehr abwägen und mal probieren wieviel postives ein solcher Mensch dennoch bringen kann. Nun die Stelle verlor ich im übrigen aufgrund genau dieser Geschichte und dabei war ich gut darin) Da wird nun leider nicht gesehen welche Zusatztalente in jemanden schlummern , welche Organisationstalente und schon gar nicht welche absolute Priorität jemand hat auch wirklich gut zu sein, denn eigentlich wird keiner mehr für den Erhalt des Jobs tuen als jemand der alleiniger Versorger ist.

Nun, da kann man vorher einen noch so krassen Beruf gelernt haben. In diese Situation KANN man aber eben hinein rutschen. Vieles habe ich vielleicht leicht überzogen und natürlich gibt es auch Alleinerziehende bei denen es finanziell nicht merklich enger wird oder mehr da ist… Wobei im ersten Moment ist das in den Köpfen der Menschen  auch wieder egal. Weil sie sind dann ja Alleinerziehend. Punkt.

Mit dem Finger drauf gezeigt ist schnell.

Mit dem Finger fuchtel....

Aber um da mal auf die Kinder zu blicken: Ich kenne WIRKLICH sehr wenige Alleinerziehende bei denen die Kinder da überhaupt von berührt werden. Da sind Alleinerziehende nämlich große Kraftpakete und Talente dies abzuschirmen. (Klar, gibt es welche von….aber berechtigt ja nun nicht zu ner Schublade) …

Einen Großteil den ich kenne sind viele Jahre in guten normalen Jobs tätig gewesen. Selbst wenn sie in die Situation rutschen und staatliche finanzielle Unterstützung benötigen, sei es aufstockend oder voll aus Gründen, dann wohl auch verdient. Bei dem was ich um mir sehe ist dies auch in der Regel nur Überbrückend – bis eine Lösung es wieder anders zulässt, oder die Kinder eben ein Alter erreichen wo eine Betreuung nicht mehr voll nötig ist.

Das dieser Engpass an die Kinder heran kommt, sehe ich aber kaum. Diese Kinder wachsen nicht anders auf als die Kinder aus 2-Personen-Eltern-Familien. Dafür sorgen die Elternteile. Und stecken da gerne zurück (ah vielleicht ist das mit nicht leicht gemeint?) und wachsen in die Aufgabe hinein mit wenig auf dem Konto genauso gut auskommen zu können. Geld ist nämlich nicht alles (sehr ich genau SO!).

Ich sehe da nämlich durchaus auch Vorteile und die Wahrscheinlichkeit das diese Kinder nämlich alles andere wie eine asoziale Ader entwickeln. Dazu aber an einer anderen Stelle bald mehr zu. Das würde jetzt doch nochmal arg abschweifen von dem was ich heute schreiben wollte.

Was ich einräumen muss und möchte ist, dass es natürlich LEIDER sehr viele getrennte Eltern gibt bei denen es einfach zwischen einander nicht harmonisch läuft, auch nach der Trennung. Oder gerade während einer Trennung wo Emotionen stecken.  Dass alleine darunter natürlich auch Kinder leiden. Und allzu häufig dann ja auch zusätzlich über die Kinder ausgetragen wird. (und in dem Punkt haben viele von uns sicher auch schon menschliche “Fehler” begannen aus emotionalem heraus, und in verschiedenen Ausprägungen).

Ich schreibe aber von dem was ich als Mehrheit erlebe und vor allem auch davon dass man deswegen nicht ein ganzes Wort für alle stigmatisieren kann, davon das  Alleinerziehende, wie in jedem anderen Dasein auch, nicht wegen wenigen Negativbeispielen alle gleich in eine Schublade gesteckt werden dürfen.

Also … von mir bekommt jedes alleinerziehende Elternteil einen dicken Daumen hoch. Für Mut, für Biss und Stärke. Es ist völlig in Ordnung so wie es ist, und eher etwas was stolz hervorbringen darf.

Daumen rauf

 

Und nun hoffe ich dass bis hierher jemand gelesen hat und wäre wirklich wirklich irre gespannt welches Gefühl ihr zu diesem Wort habt. Welche Erfahrungen und auch welche Meinungen. Ängste weil selber betroffen?

Vielleicht findet sich ja sogar jemand der mir erklärt warum ich es nicht leicht habe. Oder mir aufzeigt das ich das einfach falsch auffasse…

liebst

die Sabrina