Ein Kind mit Behinderung, was wurde anders? Ausgrenzung?!

einKind mit Behinderung

In den Teilen 1 ( HIER ) und 2 ( HIER ) ging es um das Annehmen und um Freunde. Mit Teil 3 greife ich das Thema Ausgrenzung auf und möchte da sowohl an die Freunde anknüpfen, aber auch die Ausgrenzungen ansprechen die das Kind mitmacht, und die wir als Eltern leider oft aushalten müssen.

Dieser Teil hätte auch separat stehen können, ganz passt er nicht in die Reihe und dann wieder doch, denn LEIDER (!) ist Ausgrenzung etwas was unvermeidbar zu den Dingen gehört über die man sich völlig neu auseinander setzen muss, wenn man ein Kind mit Behinderung hat. Und das ist extrem traurig!

Kommen wir erstmal zu den Ausgrenzungen die wir von unseren Freunden erfahren.

Ein Kind mit Behinderung, das bedeutet (je nach Art der Behinderung) evtl. auch ein Stück das wir uns zukünftig selber ausgrenzen. Ich glaube so denken zumindest manche unserer Freunde.

Sie laden uns vielleicht ein oder zweimal ein. Sei es zum Geburtstag oder zum Geburtstag derer Kinder … oder oder.

Eine Einladung (so ist es in meinem Fall zumindest) bedeutet zwei Gefühle: ganz vorrangig Freude über eben diese. Und zeitgleich Angst und Traurigkeit, weil ich erst an diesem Tag selber weiß, ob ich mit meinem Kind tatsächlich hingehen kann.

Leider ist meine Erfahrung diesbezüglich so, dass das Verständnis oder ich mag lieber sagen, das Begreifen dieser Situation nur sehr wenigen gelingt. Was im Übrigen kein Vorwurf ist. (Ich glaube, wenn ich vor dem Feechen zig mal ne Freundin eingeladen hätte, die dann doch irgendwie immer wieder abgesagt hätte…ich hätte irgendwann auch aufgegeben.)

Aber wie soll auch jemande außerhalb dieser Materie begreifen, dass es Tage gibt an denen wir nicht riskieren können das eine Reizüberflutung einen langen Schwanz mit sich zieht. Das wir unserem Kind bereits am Morgen anmerken das es einen Kreis vieler Menschen leider nicht aushalten wird. Das eben diese Situation auch morgen ganz anders aussehen kann…

Und vor allem glaubt mir, in unserer Situation ist es auch nicht so, dass das Feechen einfach den Ton angibt oder gar bestimmt (denken manche, ja) … Auch sie ist sehr traurig, wenn es ihr an manchen Tagen nicht gelingt. (Und hier haben wir noch den Vorteil das sie es mittlerweile zum größten Teil selber benennen kann. Das ist bei anderen nicht so und führt eben dazu, dass generell alle Einladungen abgesagt werden müssen. In dieser Situation waren wir auch lange)

Und es gibt auch Tage, an denen fühle ICH mich einfach nicht mehr in der Lage. Meist wenn einige harte Tage vorangegangen sind. Auch dies hat nichts damit zu tuen das ich keinen Kontakt mehr möchte, mein Akku ist dann leider einfach leer.

Bitte, wenn ihr Freunde habt die ein Kind mit Behinderung haben. Ladet sie immer wieder ein. Es ist keine Unlust. Ganz im Gegenteil. Ihr Leben läuft leider anders, aber deswegen sehnen sie sich nicht weniger nach Geselligkeit. Sie freuen sich gewiss über jede Einladung und werden auch jeder folgen, die ihnen möglich ist. Ich glaube da unterscheiden wir uns wenig.

Und ein Memo an “uns” selber: lasst uns einfach geradeaus sagen was Sache ist!

Ich denke mehr kann ich dazu auch nicht schreiben. Denn wie ich oben schon beschrieb, es ist nicht so als wenn ich nicht nachvollziehen könnte, warum dieser Einladungsstopp immer und immer wieder plötzlich einfach da ist.

 

Weiter komme ich auf die Ausgrenzungen die meine Tochter selber erfährt. Leider.

Also eine völlig andere Seite, aber immerzu da.

Zu dieser Spate der Ausgrenzung zu schreiben ist für mich emotional. Es ist einfach in meiner Natur, dass die Erfahrungen meiner Kinder sehr nah an mich herankommen. Ist beim großen Sohn nicht anders. Nicht heute, nicht damals.

Doch wird meine Tochter in ihrem Leben wahrscheinlich leider wesentlich häufiger in die Situation kommen Ausgrenzungen auszuhalten zu müssen.

Ich gehe dafür ein großes Stück zurück. Ich weiß nicht genau wie alt sie damals war. Auf jeden Fall saß sie noch im Buggy. Ich gehe an die Stelle zurück um aufzeigen zu können das diese Zwischenfälle schon sehr lange bestehen.

Wir waren im Phantasialand. Damals war es generell noch sehr schwierig sie mit gleichaltrigen Kindern zusammen zu bringen. Nur ganz ganz selten gelang es, das sie harmonisch in sich war wenn Kinder sie kontaktierten oder das sie gar selber ein Kind kontaktierte.

Wir pausierten damals an einer Snack-Stelle. Sie war offen (die Offenheit in Freizeitparks besteht übrigens noch heute… sie liebt sie und kann in diesen auch völlig ignorieren wie viele Menschen dort sind… zumindest für diesen Tag – wirkt nach, ihr kennt das 😉 ) Es waren natürlich viele Familien dort. Sie ging auf ein Kind zu… erst war auch alles gut… der Junge müsste etwas älter als sie selber gewesen sein. Als sie zu wedeln anfing, erschallte er in großes Lachen und wendete sich ab.

Augenscheinlich hat es dem Feechen nicht besonders viel ausgemacht (mir schon) … Erst zurückblickend konnte ich dann sehen das sie sehr lange braucht, um überhaupt nochmal auf ein Kind zuzugehen.

Im Übrigen waren die Eltern damals natürlich anwesend. Sichtlich peinlich berührt. Doch sie sagten nichts.

Nun zu einer Situation die in der letzen Woche passierte:

Das Feechen und ich waren auf der abendlichen Hunderunde. Es war wundervolles Wetter und wir streckten unsere Füße zur Abkühlung in den Bungtbach.

Vor uns war bereits eine Familie dort. Die Eltern und drei Mädchen. Zwillinge, ich schätze sie im Alter vom Feechen und eine Schwester, wahrscheinlich leicht älter.

Als unsere Hündin vorbeilief, erklärte das Feechen das sie lieb ist und sie keine Angst haben müssten (bekommt sie bei uns ja immer mit, wenn wir es erklären)… Gleich nach ihrem ersten Satz beginnen die Mädchen untereinander zu tuscheln. Und zu lachen.

Die Eltern bekamen auch hier alles mit, doch sie sagten nichts.

Erst war auch hier mir der Augenschein, dass es dem Feechen nicht besonders  viel ausmachte. Sie lies sich gewohnt nichts anmerken. Doch war sie es, die weiter gehen wollte und sich dann sehr darüber aufregte, dass eines dieser Kinder keine geeigneten Wassersandalen trug.

Natürlich machte es ihr etwas aus. Und mir auch. Ich war ehrlich gesagt sehr wütend. Doch was sollten Eltern an dieser Stelle tun? Das Thematisieren und damit dem eigenen Kind diese Situation noch näher bringen?

Ich habe danach sehr lange darüber nachgedacht, ob die Reaktion der Eltern annehmbar ist, nichts zu sagen. Und ich bleibe bei einem absolutem nein.

Denn – lassen wir mal außen vor dass das Feechen durch ihre Behinderung (hier jetzt sprachlich) gehänselt wurde. Ich kann doch nicht als Elternteil daneben stehen wenn meine Kinder ein anderes mobben. Grausam.

Leider könnte ich diesen Teil von Ausgrenzung unendlich fortsetzen…. und leider habe ich an dieser Stelle keinen Tipp.

Aber genau wegen dieser Dinge schreibe ich diesen Part meines Blogs.

Wenn euch als Eltern die Behinderung anderer Kinder tatsächlich lähmt….wenn ihr nicht wisst, was ihr tuen sollt, wie ihr die Situation erklären sollt: Seid einfach ehrlich. Behinderung ist keine Schande und nichts Schlimmes. Vor allem ist Behinderung nichts wofür sich unsere Kinder schämen müssen.  Erklärt euren Kindern das Menschen auch auf diese Art verschieden sind. Und nehmt da auch kein Blatt vor dem Mund, denn nichts hilft Eltern mit einem Kind mit Behinderung – und auch dem Kind selber – mehr als einfache direkte Fragen, wenn etwas unklar ist. Und nichts würde alles so viel einfacher machen wenn es bereits für Kinder normal ist verschieden zu sein.

Wir beißen nicht. Und die Frage “warum” ist für uns ein Segen. Wogegen peinliches Schweigen und nichts sagen eine starker Schlag ins Gesicht sind.

 

Ich hoffe das gerade diese letzten Sätze viele viele Menschen erreichen. Denn nichts ist schlimmer als selber machtlos daneben zu stehen, wenn das eigene Kind gemobbt wird – aus reiner fehlenden und natürlichen Aufklärung.

Wie sind eure Erfahrungen zu diesem Thema, zu diesen beiden Situationen?

 

liebst

die Sabrina