Ein Kind mit Behinderung, was wurde anders? – Freunde

Letzte Woche habe ich im ersten Teil zu “Ein Kind mit Behinderung, was ist nun anders?” über das Thema Annehmen geschrieben. Lesen könnt ihr diesen Post HIER  .

Heute möchte ich als Teil 2  gerne über Freundschaften schreiben. Denn ich glaube selten waren Freundschaft so wichtig für mich, und gleichzeitig wurde ich sicher nicht zur zuverlässigsten Freundin der Welt.

Freunde

 

Freundschaften und ihr Lauf des Lebens…

Das Freundschaften sich mit den Jahren immer mal ändern ist denke ich bei jedem so. Zumindest manche. Dies hat wenig damit zu tun ob man nun keine Kinder hat oder eben ein Kind mit Behinderung.

Man verläuft sich teilweise, man ändert sich. Die Leben werden verschieden. Und ehe man sich versieht ist die bisher dickste Freundin irgendwie nur noch eine Bekannte.

Da müssen nicht einmal große Faktoren hinein spielen, oder gar eine Unstimmigkeit. Sowas passiert eben. Und das mehrmals im Leben. Mit manchen dieser Menschen vereint einen irgendwann wieder etwas…manche verliert man immer mehr aus den Augen bis sie ganz aus dem Leben verschwinden.

Bei manchen ist es einem egal, bei manchen schmerzt es. Auch nach vielen Jahren vielleicht noch.

 

Am aller gravierendsten war empfand ich diese Phase bei mir nach der Zeit als ich wusste das Feechen halt irgendwie anders ist. Viele Freundschaften sind danach völlig verloren gegangen. Einige wurden aber wiederum auch fester.

Nun muss ich zugeben, dass ich generell in einer Freundschaft meist nicht der Part bin, der sich ganz pfleglich regelmäßig meldet. Das war früher schon nicht so. Und natürlich wurde dies nicht besser mit  vielen neuen Aufgaben und all diesen Terminen, die in mein Leben traten. Daher denke ich, dass diese Tatsache einen Teil der Veränderung zuzuschreiben ist. Und es tut mir auch wirklich leid, dass ich dadurch vielleicht manchmal nicht so ne ganz gute Freundin bin und schätze umso mehr all die Herzmenschlein, denen es nichts ausmacht das sie mich immer mal wieder anstupsen müssen.

Aber auch der Umgang mit mir, mit uns. Das schien nicht für alle leicht zu sein. Das habe ich oft an Reaktionen bemerkt und mir ehrlich gesagt sehr gewünscht das man mit Fragen einfach auf mich zugekommen wäre. Dass man hätte ganz offen mit Unsicherheiten sein können. Denn hey ja, ich war ab da zweifache Mama. Und eben Mama eines Kindes mit Behinderung. Wir waren Freunde. Und eigentlich denke ich das Freunde ruhig offen miteinander sein können. Aber irgendwie scheint dies eben noch ein Thema, welches viel mehr offenen Umgang benötigt.

Waren da aber nur die anderen schuld?

Oft habe ich mich gefragt, ob es mein Recht ist über diese Art von Rückzug sauer zu sein. Konnte ich wirklich verlangen, dass sich die Menschen um mich mit dem Thema auseinandersetzten wenn sie es nicht unbedingt mussten? Ich denke ja. Denn sie waren meine Freunde und ich war noch genau dieselbe Person – oder?!…. Ängste zählen da für mich irgendwie nicht, aber eben auch, weil ich selber schon vorher auch kein Mensch war den Behinderungen ängstigten. Warum auch?

Es hat mich damals zumindest sehr traurig gemacht das neben all den anderen Veränderungen auch in diesem Lebensbereich so viel anders wurde.

Gleichzeitig weiß ich heute aber auch nicht, ob es nicht auch einfach ganz normaler Lauf war. Auch denke ich, das eben bei mir doch eine Veränderung war… und auch gab es gewiss jene Leute dich ich selber auf Abstand schob. In Erinnerung sind mir da Menschen die es einfach immer wieder schafften etwas Nettes sagen zu wollen, was aber am Ende irgendwie ein kleines Fettnäpfchen war und jedes Gespräch skurril werden ließ. Oder auch eben jene, die mich stets nur noch vorsichtig ansprachen als wenn mein Leben von nun an nicht mehr lebenswert sein könnte.

Ich mein, mein komplettes Leben wurde irgendwie anders. Da war diese Veränderung doch auch völlig völlig normal.

Rückblickend…

Aber seither ist viel Zeit rum, auch heute verschieben sich Freundschaften noch immer. Und wenn man zurückblickt sind viele Läufe genauso gut gewesen wie sie waren. Denn durchaus befinden sich eine Menge Leute noch in meinem Leben – die einen intensiv, die anderen vielleicht weniger – die mir nah geblieben sind.

Freunde, die man vielleicht ganz lange nicht sieht und mit denen alles immer und immer wieder so ist, als wenn man sich täglich sehe. Gleiche Wellenlänge und so, die hat nämlich nix mit ner Lebenssituation zu tun.

Umarmung und Behinderung

Wärmende Menschen die auch aus der Ferne eine Umarmung schaffen.

 

Wo ist da die Änderung fragt ihr euch vielleicht…

Meine Erfahrung mit neuen freundschaften seit Mama eines Kindes mit behinderung ist eben eine ganz wundervolle:

Denn neue Freundschaften gibt es eine ganz Menge. Eine Menge intensive. Und eine Menge Freundschaften die jede Welle aushalten.

Tatsächlich habe ich nämlich die Erfahrung gemacht das wir Mütter (und Väter) von speziellen Kindern uns irgendwie anziehen. Ernsthaft. Ich würde behaupten das 90 % der Menschen, die ich neu kennen lerne – egal ob im realen Leben oder auch im Internet, sich als Eltern von Kindern mit Behinderung raus stellen. Auch Begegnungen die völlig außerhalb von Gruppen und Orten stattfinden die mit unserer Situation zu tun haben.

Mich fasziniert das.

Ich denke es liegt an Gemeinsamkeiten (die bei uns weniger gefächert sind) und Sichtweisen (die unsere Kinder uns lehren).

Was ich als ganz besonders empfinde bei diesen Freundschaften: Verständnis. Ich habe noch niemals von einem dieser Personen gehört “du meldest dich ja auch nie” … ich habe noch niemals erlebt das diese Freunde sich nicht mehr bei mir melden. Sie sind eben in derselben Situation….und haben ins absolute Verständnis.

Umgekehrt genauso. So habe ich aktuell zum Beispiel eine Situation (die ich im übrigen jetzt gleich sofort nach diesem Post ändern werde) : Eine Mama die ich vor drei Jahren bei einem stationären Klinikaufenthalt kennenlernte. Letztes Jahr im Sommer haben wir uns das letzte mal gesehen. Seither hat sie mir drei Nachrichten geschickt. Ich habe bisher nicht geantwortet. Ätzend denkt ihr oder? Ist es irgendwie auch. Aber wir stecken gerade beide in intensiveren Phasen. Mir selber fehlt dann manchmal die Kraft mich zeitgleich noch mit einer weiteren Situation zu befassen (die eine Gemeinsamkeit ist).

Und wisst ihr was? Da ist Verständnis. Sie würde mir in regelmäßigen Abständen weiter schreiben. Einfach kurz antippen. Und umgekehrt würde ich das tatsächlich auch. Wahrscheinlich wären meine Lücken länger….aber weil ich eben so bin. Natürlich könnte ich ihr auch längst einfach was ganz knappes zurück schreiben, aber das möchte ich nicht. Denn dies ist eine Freundschaft die aktuell noch sehr viel emotional intensiven Austausch benötigt, mehr als Regelmäßigkeit. Das mag nicht jeder verstehen können, aber das ist auch ok.

 

Meine Botschaft aus diesem Gedankengeschreibsel ist…

… bezieht Änderungen nicht immer völlig auf die neue Situation (so wie ich es irgendwie getan habe und vielleicht ein wenig Herzschmerz hatte, wo er nicht nötig war). Freundschaften zu der neuen Situation zu sortieren ist sogar vielleicht bereinigend und auch völlig in Ordnung.

Vor allem aber: Seid offen für auch neue Freundschaften. Austausch und Miteinander mit Menschen in der gleichen Situation sind unglaublich stärkend und wertvoll.

Wenn ihr situationsbedingt oder auch aus eigener Kraft Phasen habt, in denen ihr im realen Leben kaum Raum findet neue Leute kennenzulernen, dann nutzt Plattformen wie Facebook-Gruppen und Foren. Denn auch da habe ich bereits viele viele Freunde kennengelernt.

Ihr Menschen da draußen mit einem gewöhnlichem Leben: Seid verständnisvoll.

Freunde waren wichtig. Freunde sind wichtig. Freunde werden immer wichtig sein.

Für jeden Menschen!

Und aus unseren Freundschaften profitieren ganz gewiss auch unsere Kinder.

 

Wie empfindet ihr die Änderung von Freundschaften? Gerne auch Eltern von nicht behinderten Kindern, denn eine Änderung tritt ja auch generell schon ein, wenn man eben Eltern wird. Über eure Erfahrungen würde ich mich freuen!

 

liebst

die Sabrina

 

 

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